Personalkosten-Rechner: Was kostet ein Mitarbeiter wirklich?
Bruttogehalt ist nicht gleich Vollkosten — dieser Rechner zeigt die echten Arbeitgeber-Jahreskosten inklusive Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft, Umlagen, Equipment und Weiterbildung. Plus: Kosten pro produktivem Arbeitstag.
Wer als KMU-Chef nur das Bruttogehalt in seiner Kalkulation hat, unterschätzt die Personalkosten um 20 bis 30 Prozent. Ein Mitarbeiter mit 3.000 € Brutto-Monatslohn kostet das Unternehmen am Ende des Jahres nicht 36.000 €, sondern eher 44.000 bis 46.000 €. Dazwischen liegt der gesamte Arbeitgeber-Anteil zur Sozialversicherung, die Berufsgenossenschaftsabgabe, die Umlagen U1/U2/U3, Arbeitskleidung, Hardware und Schulungen.
Dieser Rechner adressiert genau die Position, die in den meisten Kalkulationen fehlt: die Gesamtkosten pro produktivem Arbeitstag. Denn ein Vollzeit-Mitarbeiter arbeitet keine 365 Tage und auch keine 261 Werktage — er arbeitet nach Abzug von Wochenenden, Urlaub, Krankheit und Feiertagen rund 216 bis 220 Tage. Wer seinen Stundensatz auf Basis von 261 Tagen kalkuliert, lässt Geld liegen.
Der Rechner unterscheidet zwischen Vollzeit, Teilzeit (30h/20h), Minijob, Midijob und Werkstudenten. Für Minijobs gelten andere Pauschalsätze (rund 32 % AG-Pauschale), für Werkstudenten entfallen KV/PV/ALV (nur RV-Pflicht). Die Berufsgenossenschaftsabgabe richtet sich nach deiner Branche und liegt zwischen 0,73 % (Büro/Verwaltung) und 4,1 % (Baugewerbe). Alle Werte basieren auf Beitragssätzen 2026 — verbindliche Lohnabrechnung liefert weiterhin nur Steuerberater oder Lohnsoftware.
⚠️ Keine Steuer- oder Rechtsberatung
Diese Berechnung ist eine Orientierung auf Basis der durchschnittlichen Beitragssätze 2026. Für die rechtsverbindliche Lohnabrechnung beziehe deine:n Lohnbuchhalter:in oder Steuerberater:in ein. Beitragssätze, Beitragsbemessungsgrenzen, BG-Gefahrtarife und Umlagen ändern sich jährlich — der hier angesetzte Krankenkassen-Zusatzbeitrag (~0,85 % AG-Anteil) variiert pro Kasse. Tatsächliche Werte können um ±5 % abweichen.
Gesetzlich min. 20 (5-Tage-Woche). Tarifüblich 25–30.
BKK-Gesundheitsreport-Schnitt: 14,1 Tage (2024).
Exakter Beitragssatz nach Gefahrtarif deiner zuständigen Berufsgenossenschaft.
Kleidung, Werkzeug, Hardware-Anteil.
Seminare, Schulungen, Zertifikate.
13. Gehalt, Urlaubsgeld, Prämien.
Szenario A — Vollzeit (40h)
Brutto 3.000 €/Monat | 36.000 €/Jahr
AG-Gesamtkosten / Jahr
45.037 €
≈ 125,10 % vom Brutto
Kosten / Arbeitstag
209 €
216 produktive Tage
Kosten / Stunde
26 €
8 h/Tag
| Position | € / Monat | € / Jahr | % Brutto |
|---|---|---|---|
| Bruttogehalt | 3.000 € | 36.000 € | 100,00 % |
| AG-KV (~8,15 %) | 244 € | 2.934 € | 8,15 % |
| AG-PV (1,7 %) | 51 € | 612 € | 1,70 % |
| AG-RV (9,3 %) | 279 € | 3.348 € | 9,30 % |
| AG-ALV (1,3 %) | 39 € | 468 € | 1,30 % |
| BG Büro / Verwaltung (0.73 %) | 22 € | 263 € | 0,73 % |
| U1/U2/U3-Umlagen | 51 € | 612 € | 1,70 % |
| Σ Sozialabgaben AG | 686 € | 8.237 € | 22,88 % |
| Equipment-Pauschale | — | 500 € | 1,39 % |
| Weiterbildung | — | 300 € | 0,83 % |
| GESAMT-Jahreskosten | 3.753 € | 45.037 € | 125,10 % |
ℹ️ Lohnfortzahlung für Urlaub und Krankheit sind bereits im Bruttogehalt enthalten — sie reduzieren aber die produktive Arbeitszeit und damit den effektiven Stundensatz. Bei 216 produktiven Tagen entspricht das einem Vollkostensatz von 26 € pro produktiver Arbeitsstunde.
Kostenverteilung pro Jahr
Brutto + Bonus
36.000 €
SV + BG + Umlagen
8.236,8 €
Equipment + Schulungen
800 €
Berufsgenossenschaft — Beiträge nach Branche (Durchschnitt 2026)
Der BG-Beitrag richtet sich nach dem branchen-spezifischen Gefahrtarif. Hier die Durchschnittswerte — dein realer Satz steht im jährlichen Bescheid deiner zuständigen Berufsgenossenschaft.
| Branche | Berufsgenossenschaft | Satz |
|---|---|---|
| Bäckerei | BGN — Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel & Gastgewerbe | 2.10 % |
| Gastronomie | BGN — Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel & Gastgewerbe | 3.00 % |
| Einzelhandel | BGHW — Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik | 0.98 % |
| Friseur | BGW — Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst & Wohlfahrtspflege | 1.50 % |
| Bau | BG BAU — Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft | 4.10 % |
| Handwerk | BGHM — Berufsgenossenschaft Holz und Metall | 2.20 % |
| Büro / Verwaltung | VBG — Verwaltungs-Berufsgenossenschaft | 0.73 % |
💡 Sozialversicherungs-Beitragssätze 2026 (AG-Anteil)
- • Krankenversicherung: 7,3 % + ca. 0,85 % halber Zusatzbeitrag (~8,15 %)
- • Pflegeversicherung: 1,7 % (Kinderlosenzuschlag 0,35 % nur AN, nicht AG)
- • Rentenversicherung: 9,3 %
- • Arbeitslosenversicherung: 1,3 %
- • Umlagen U1/U2/U3: Schnitt ca. 1,5 % gesamt
- • Berufsgenossenschaft: 0,73–4,1 % je nach Branche/Gefahrtarif
- • BBG KV/PV 2026: 5.512,50 €/Monat | BBG RV/ALV: 8.050 €/Monat (bundeseinheitlich)
⚠️ Minijob-Pauschalen (gewerblich) 2026
Bei einem gewerblichen Minijob zahlt der Arbeitgeber Pauschalabgaben statt der regulären SV-Beiträge:
- • 15 % Pauschale Rentenversicherung
- • 13 % Pauschale Krankenversicherung (nur bei gesetzlich versichertem AN)
- • 2 % Pauschsteuer (alternativ: individuelle Lohnsteuer nach Klasse)
- • ~1,4 % Umlagen U1/U2/U3
- • Plus Berufsgenossenschaftsabgabe (siehe Branchen-Tabelle)
In Summe rund 32 % Pauschallast. Bei einem 538-€-Minijob zahlt der Arbeitgeber also rund 708 € Vollkosten pro Monat — vor Equipment und Einarbeitung. Bei Haushaltsscheckverfahren gelten deutlich niedrigere Sätze.
🎓 Werkstudenten — vereinfachte Sozialversicherung
Werkstudenten sind nur rentenversicherungspflichtig (AG-Anteil 9,3 %) — Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung entfallen. Voraussetzung: maximal 20 Wochenstunden während der Vorlesungszeit, keine Selbstständigkeit. In den Semesterferien dürfen mehr Stunden gearbeitet werden ohne SV-Status zu verlieren. Plus reduzierte Berufsgenossenschaftsabgabe und Umlagen. Damit kostet ein 1.200-€-Werkstudent den Arbeitgeber nur rund 1.330 €/Monat statt 1.470 € wie regulär sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
📚 Quellen & weiterführende Links
- • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) — Beitragssätze, Lohnnebenkosten, gesetzliche Mindestlöhne
- • GKV-Spitzenverband — KV-Beiträge, Zusatzbeitrag-Statistik, Beitragsbemessungsgrenzen
- • DGUV — Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung — Verzeichnis der Berufsgenossenschaften und Gefahrtarife
- • Minijob-Zentrale (Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See) — Pauschalbeiträge, Meldepflichten Minijob
- • Deutsche Rentenversicherung — Werkstudenten-Status, RV-Pflicht, Beitragssätze
- • BKK-Dachverband — Gesundheitsreport — Statistik Krankheitstage (2024: 14,1 Tage Durchschnitt)
Letzte Aktualisierung der Beitragssätze: Anfang 2026. Da einige kassenindividuelle Zusatzbeiträge erst zum 1. Januar final festgelegt werden, können die hier verwendeten Durchschnittswerte um ±0,1–0,2 Prozentpunkte abweichen.
⚠️ Wichtiger Hinweis — keine verbindliche Berechnung
Dieser Rechner liefert Schätzwerte auf Basis vereinfachter Pauschalen (Stand 2026). Eine verbindliche Personalkosten-Kalkulation und Lohnabrechnung liefert nur ein Steuerberater oder eine zertifizierte Lohnsoftware wie DATEV, Lexware Lohn+Gehalt oder Sage Lohn.
Tatsächliche AG-Kosten weichen ab je nach: Krankenkassen-Zusatzbeitrag (kassenindividuell), Beitragsbemessungsgrenzen (Deckelung bei hohen Gehältern), tatsächlichem Gefahrtarif der zuständigen Berufsgenossenschaft, Tarifbindung, betrieblicher Altersvorsorge, vermögenswirksamen Leistungen, geldwertem Vorteil (Dienstwagen, Essenszuschüsse), Mutterschutz/Elternzeit, Schwerbehindertenabgabe, Unfallumlage, Insolvenzgeldumlage und Sonderzahlungen außerhalb des regulären Brutto.
Diese Berechnung ersetzt keine Steuerberatung. Sozialversicherungsträger prüfen rückwirkend bis zu 4 Jahre — Fehler in der Lohnabrechnung sind nachforderungspflichtig (inkl. Säumniszuschläge und ggf. Bußgelder). Konsultiere vor jeder Einstellung deine:n Steuerberater:in oder Lohnbuchhalter:in.