Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter
Ratgeber/Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter

Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter

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Hinweis: Dieser Artikel bietet einen praxisorientierten Überblick und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Personalberatung. Im konkreten Einzelfall sollten Steuerberater, Fachanwalt für Arbeitsrecht oder die zuständige IHK eingebunden werden. Stand der Information: Mai 2026, Gesetzes- und Rechtsprechungsänderungen können den Sachverhalt ändern.

Eine digitale Personalakte muss nach Art. 32 DSGVO verschlüsselt gespeichert, zugriffsprotokolliert und nach Beschäftigungsende innerhalb von 10 Jahren (Lohnunterlagen § 257 HGB) bzw. 3 Jahren (Bewerbungen, BAG-Frist) gelöscht werden. Die Bußgelder bei Verstößen liegen bei bis zu 4% des Jahresumsatzes, bei einem KMU mit 2 Mio. Euro Umsatz also bis zu 80.000 Euro. Wer noch mit Ordnern und Excel arbeitet, riskiert Datenschutz-Verstöße, Stress beim Steuerberater-Audit und 4-8 Stunden pro Monat unnötige Suche nach Unterlagen.

Was die digitale Personalakte rechtlich enthalten muss

Die Personalakte ist im BGB nicht definiert, der Inhalt ergibt sich aus § 83 BetrVG (Einsichtsrecht des Beschäftigten) und § 26 BDSG (zulässige Datenverarbeitung im Beschäftigungsverhältnis). Pflichtbestandteile sind Arbeitsvertrag, Nachweisgesetz-Dokumentation (seit August 2022 verschärft), Lohnsteuerunterlagen, Sozialversicherungsmeldungen und Urlaubs-/Krankheitsverlauf.

Optional, aber empfehlenswert sind Mitarbeitergespräche, Abmahnungen, Zeugnisse, Weiterbildungsnachweise und Pfändungen. Was nicht in die Akte gehört: medizinische Diagnosen (BEM-Akte separat führen!), Gehaltspfändungen Dritter, politische oder gewerkschaftliche Zugehörigkeit, Bewerbungsfotos nach Einstellung.

Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter — practical guide overview
Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter

Die Aufbewahrungsfristen variieren stark: Lohnabrechnungen 6 Jahre (§ 147 AO), Lohnkonto 10 Jahre, Arbeitsverträge bis 3 Jahre nach Beendigung (§ 195 BGB), Bewerbungen 3-6 Monate nach Absage. Eine Software muss diese Fristen automatisiert tracken und Löschpflichten anstoßen, manuelle Excel-Listen scheitern hier regelmäßig.

Wichtig: Die digitale Akte ist nicht automatisch revisionssicher. Du brauchst Versionierung jedes Dokuments, Zeitstempel auf Änderungen und ein Zugriffsprotokoll, das nicht durch den Admin selbst manipulierbar ist. Steuerprüfer und Datenschutz-Aufsicht prüfen genau diese drei Punkte zuerst.

§ 26 BDSG: Personenbezogene Daten von Beschäftigten dürfen verarbeitet werden, soweit dies für die Durchführung des Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist. Bei besonderen Datenkategorien (Gesundheit, Religion) braucht es zusätzliche Rechtsgrundlagen, etwa § 26 Abs. 3 BDSG für Sozialleistungen.

Personio: Marktführer mit eigenem Bewerbermanagement

Personio aus München kostet ab 89 Euro pro Monat für 1-50 Mitarbeiter (Essential-Tarif) und ist bei KMU zwischen 30 und 500 Beschäftigten am häufigsten im Einsatz. Die Plattform deckt neben der digitalen Personalakte auch Zeiterfassung, Urlaubsverwaltung, Lohn-Vorbereitung (Schnittstellen zu DATEV, Sage, Addison) und Bewerbermanagement ab.

Stark ist die Workflow-Automation: Probezeit-Ende, Geburtstage, Arbeitsvertragsverlängerungen werden 4 Wochen vorher gemeldet. Die DSGVO-Compliance wird über automatische Löschvorschläge nach konfigurierbaren Fristen abgebildet, du bekommst eine Liste, was gelöscht werden darf, und entscheidest manuell pro Datensatz.

Schwächen: Der Einstieg ist mit ein bis zwei Tagen Implementierung nicht trivial, das Preismodell skaliert pro Mitarbeiter (häufig 4-8 Euro pro Person), und für sehr kleine Betriebe unter 15 Mitarbeitern wirkt der Funktionsumfang oft überdimensioniert. Hosting: Frankfurt-Rechenzentrum, ISO 27001 zertifiziert. Auch der Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO wird automatisiert bereitgestellt, du solltest ihn nur gegenzeichnen und ablegen, ein typischer Stolperstein bei Prüfungen.

Sage HR: Stark in Kombination mit Sage Lohn

Sage HR (früher CakeHR) kostet ab 5 Euro pro Mitarbeiter pro Monat und passt besonders gut zu Betrieben, die bereits Sage Lohnabrechnung im Einsatz haben. Die nahtlose Datenübernahme zwischen Personalakte und Lohnbuchhaltung spart Doppelerfassung, Adressänderungen, Steuerklassen, Sozialversicherungsnummern fließen automatisch.

Funktional liegt der Schwerpunkt auf Kernprozessen: digitale Akte, Urlaubsverwaltung, Krankmeldungen, einfache Performance-Reviews. Bewerbermanagement ist eingeschränkt, wer ein vollwertiges ATS braucht, kombiniert mit JOIN oder Workable. Die Personalakte ist als modular aufgebauter Container organisiert: Stammdaten, Verträge, Bescheinigungen, Schulungen, Abmahnungen und Zeugnisse jeweils als eigene Sektion mit individuellen Rechten.

Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter — step-by-step visual example
Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter
💡 Praxis-Tipp: Wenn du mit Sage Lohn arbeitest, ist Sage HR fast immer die wirtschaftlichste Wahl, die API-Integration spart pro Mitarbeiter rund 20 Minuten pro Monat bei Stammdatenpflege.

HRworks: Made in Germany mit Workflow-Fokus

HRworks aus Freiburg liegt preislich bei 6-9 Euro pro Mitarbeiter und Monat (gestaffelt nach Modulen) und ist seit über 20 Jahren am deutschen Markt. Stärken sind komplexe Genehmigungs-Workflows, individuell konfigurierbare Akten-Strukturen und ein sehr ausgereiftes Reisekosten-Modul nach BRKG.

Die digitale Personalakte unterstützt elektronische Signaturen (eIDAS-konform), revisionssichere Archivierung und granulare Rechtevergabe. Personalleiter sehen alle Akten, Abteilungsleiter nur ihr Team, Buchhaltung nur Lohn-relevante Daten. Diese Trennung ist besonders bei Betrieben mit Betriebsrat wichtig, der Datenschutzbeauftragte sollte die Berechtigungsmatrix einmal absegnen.

Schwächen: Die Oberfläche wirkt funktional, aber weniger modern als Personio. Mobile-App ist solide, aber kein State-of-the-Art. Lohnabrechnung wird nicht intern erstellt, sondern an Schnittstellen (DATEV, NaviRouting) übergeben.

Edenred (früher Kenjo): Skandinavisches Design, EU-Hosting

Edenred, vormals Kenjo, kostet ab 4,50 Euro pro Mitarbeiter und Monat und zielt auf KMU zwischen 10 und 250 Beschäftigten. Hosting in Madrid und Frankfurt, ISO 27001 + ISO 27018 zertifiziert. Die digitale Personalakte ist im Funktionsumfang vergleichbar mit Personio, das Pricing aber tendenziell günstiger.

Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter — helpful reference illustration
Personalakte digital führen: 4 DSGVO-konforme Anbieter

Besonderheit: Onboarding-Workflows sind sehr ausgereift, Checklisten für IT-Setup, Arbeitsplatz-Einrichtung, Pflicht-Unterweisungen werden automatisiert an HR, IT und den Mitarbeiter selbst verteilt. Auch das Offboarding ist strukturiert (Geräte-Rückgabe, Zugriffsentzug, Zeugnis-Anfrage). Schwäche: Das Lohnmodul ist in Deutschland nicht eigenständig, sondern braucht externe Schnittstellen, DATEV-Anbindung funktioniert, aber Buchhaltungs-Workflows sind weniger tief integriert als bei Sage HR.

⚠️ Fristen-Falle: Bei jedem Anbieterwechsel solltest du den Export deiner Daten verlangen, meist in Excel oder CSV. Achte darauf, dass die Aufbewahrungsfristen weiterlaufen und du keine Daten verlierst, die du noch Jahre vorhalten musst.

Direktvergleich: Kosten, Funktionen, Zielgruppe

Anbieter Preis (pro MA/Monat) Zielgröße Stärke
Personio4-8 € (ab 89 €/Monat)30-500 MAAll-in-One mit ATS
Sage HR5-7 €10-200 MALohn-Integration
HRworks6-9 €20-500 MAWorkflows + Reisekosten
Edenred4,50-7 €10-250 MAOnboarding-Automation

Migrations-Schritte: Vom Ordner zur digitalen Akte

Der Umstieg dauert je nach Mitarbeiterzahl 2-8 Wochen. Plane den Wechsel in der Sommerphase (Juli/August) oder zwischen den Jahren, nicht zur Jahresabschluss-Hektik. Vor dem Scan-Marathon solltest du den Datenschutzbeauftragten einbinden und mit dem Betriebsrat (falls vorhanden) eine Betriebsvereinbarung schließen.

  1. Bestandsaufnahme: Welche Akten existieren, in welchem Zustand, mit welchen Aufbewahrungsfristen?
  2. Daten-Mapping: Felder der alten Excel/Software den neuen Software-Feldern zuordnen, meist über Test-Migration mit 3-5 Datensätzen.
  3. Scan-Phase: Bestehende Papier-Akten digitalisieren, 300dpi, PDF/A, OCR. Externer Dienstleister ab 50 Akten meist günstiger als Eigenscan.
  4. Berechtigungsmatrix: Wer darf was sehen, ändern, löschen? Vier Rollen reichen meist: Personalleitung, HR-Sachbearbeiter, Vorgesetzte, Mitarbeiter selbst.
  5. Schulung + Go-Live: 2-Stunden-Schulung für HR, 30-Minuten-Briefing für Führungskräfte, ein Hilfedokument für alle Mitarbeiter zur Selbstbedienung.

Fazit: Für die meisten KMU zwischen 30 und 100 Mitarbeitern ist Personio die sicherste Wahl wegen All-in-One-Funktionalität. Wer Sage Lohn nutzt, fährt mit Sage HR günstiger. HRworks punktet bei komplexen Genehmigungsstrukturen oder Reisekostenintensität. Edenred ist die Preis-Leistungs-Empfehlung für 10-50 Mitarbeiter ohne Sondererfordernisse. Bei konkreten DSGVO-Fragen Steuerberater oder Fachanwalt für Arbeitsrecht einbeziehen.

Veröffentlicht durch die Cheftipps-Redaktion. Veröffentlicht am 18. Juni 2026.

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