Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach §7g EStG für KMU nutzen
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Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG erlaubt KMU, bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten eines beweglichen Wirtschaftsguts steuerlich vorzuziehen — maximal 200.000 Euro pro Jahr, höchstens drei Jahre vor der tatsächlichen Investition. Voraussetzung: dein Gewinn liegt unter 200.000 Euro pro Jahr (Gewinnermittlungsart EÜR oder Bilanz). Wer 2026 plant, 2027 eine Maschine für 40.000 Euro zu kaufen, kann jetzt 20.000 Euro vom Gewinn abziehen und spart bei 30 % Steuersatz sofort 6.000 Euro liquide Mittel.
Was ist der Investitionsabzugsbetrag?
Der IAB ist ein Steuerstundungs-Instrument: Du ziehst geplante Investitionen vorab vom zu versteuernden Gewinn ab, schiebst Steuerlast in die Zukunft und gewinnst sofort Liquidität. Geregelt in § 7g EStG, der mehrfach reformiert wurde — seit 2020 gilt: 50 % statt früher 40 % der geplanten Anschaffungskosten, einheitliche Gewinngrenze 200.000 Euro für alle Gewinnermittlungsarten (vorher unterschiedlich für EÜR und Bilanz).
Der IAB ist keine Steuerersparnis im Sinne von „weniger Steuern insgesamt" — du verschiebst nur den Zeitpunkt der Versteuerung. Im Investitionsjahr wird der IAB außerbilanziell gewinnerhöhend aufgelöst und auf die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG (bis zu 40 %) verrechnet. Der Liquiditätsvorteil entsteht durch den Stundungseffekt: das Finanzamt finanziert deine Investition mit.
Wichtig: Der IAB ist kein Subventionsmodell — wer drei Jahre nach Bildung des IAB nicht investiert, muss den Betrag rückwirkend auflösen und Steuern plus 6 % Zinsen p. a. (§ 233a AO) nachzahlen. Eine falsche Planung wird teuer. Nur sicher planbare Investitionen sind IAB-Kandidaten.
Wer darf den IAB nutzen?
Anspruchsberechtigt sind alle gewerblichen Unternehmen, Land- und Forstwirte sowie Freiberufler, deren Gewinn 200.000 Euro pro Jahr nicht überschreitet. Bei mehreren Betrieben gilt die Grenze pro Betrieb, nicht pro Person — wer ein Einzelunternehmen und eine Beteiligung an einer GbR hat, prüft jede Einheit getrennt. Die Gewinngrenze ist die letzte feste Hürde, früher unterschiedliche Grenzen je Gewinnermittlungsart entfallen.
Der IAB gilt nur für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens — also Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge, EDV, Büromöbel, Geschäftsausstattung. Nicht förderfähig sind Immobilien, Grundstücke, immaterielle Wirtschaftsgüter (Software-Lizenzen, Patente — Sonderregelung beachten), Wirtschaftsgüter unter 800 Euro (GWG, sofort abschreibbar) und private Anteile (PKW mit Privatnutzung problematisch).
Das geplante Wirtschaftsgut muss mindestens 90 % betrieblich genutzt werden — bei einem Geschäftsauto mit 30 % Privatnutzung ist der IAB nicht möglich. Außerdem muss das Wirtschaftsgut nach der Anschaffung mindestens das Jahr der Anschaffung plus das gesamte Folgejahr im Betriebsvermögen verbleiben (Verbleibens- und Nutzungsfrist). Wer die Maschine vorzeitig verkauft, muss den IAB inkl. Verzinsung zurückführen.
Wie funktioniert der IAB rechnerisch?
Beispielrechnung: Du planst eine CNC-Fräse für 80.000 Euro netto im Jahr 2028. Im Jahr 2026 bildest du einen IAB von 40.000 Euro (50 %) — der senkt deinen Gewinn 2026 um 40.000 Euro. Bei einem Spitzensteuersatz von 42 % plus Soli sparst du sofort etwa 17.700 Euro Steuern. Diese 17.700 Euro bleiben drei Jahre lang als Liquidität im Unternehmen.
2028 kaufst du die Maschine. Im Anschaffungsjahr wird der IAB außerbilanziell gewinnerhöhend aufgelöst (+ 40.000 Euro) und gleichzeitig auf die Anschaffungskosten verrechnet (Wirtschaftsgut hat steuerliche AK von 40.000 Euro statt 80.000 Euro). Zusätzlich kannst du nach § 7g Abs. 5 EStG eine Sonderabschreibung von bis zu 40 % der reduzierten AK vornehmen — also 16.000 Euro Extra-Abschreibung im Anschaffungsjahr.
Der echte Liquiditätsvorteil entsteht aus dem Zinseffekt: Du hast drei Jahre 17.700 Euro mehr Cash, kannst damit andere Investitionen oder Schulden bezahlen und musst nicht teure Bankkredite aufnehmen. Bei 5 % Bankzinsen entspricht der Vorteil über drei Jahre etwa 2.500 Euro reale Ersparnis — bei steigenden Zinsen entsprechend mehr.
Beispielrechnung im Überblick
| Jahr | Vorgang | Gewinneffekt | Steuereffekt (42 % Spitze) |
|---|---|---|---|
| 2026 | IAB-Bildung 40.000 € | −40.000 € | −17.700 € (Stundung) |
| 2028 | Anschaffung CNC + IAB-Auflösung | +40.000 € / −40.000 € | 0 € (Buchung kreuzt sich) |
| 2028 | Sonderabschreibung 40 % | −16.000 € | −7.080 € |
| 2028–2031 | Lineare AfA Rest | je nach Nutzungsdauer | verteilt über Restlaufzeit |
| Saldo | Steuerverschiebung gesamt | 0 € (langfristig) | Liquiditätsvorteil ~2.500 € |
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur IAB-Bildung
- Investitionsplanung 1–3 Jahre voraus erstellen: Welche Maschinen, Fahrzeuge, EDV-Geräte willst du kaufen?
- Gewinngrenze prüfen: Liegt dein Gewinn unter 200.000 Euro? Maßgeblich ist der steuerliche Gewinn, nicht der Cashflow.
- Voraussichtliche Anschaffungskosten netto kalkulieren — Angebote einholen oder Listenpreise notieren.
- 50 % als IAB in der Steuererklärung beantragen (Anlage EÜR Zeile „Investitionsabzugsbetrag" oder in der Bilanz als außerbilanzieller Abzug).
- Pro Wirtschaftsgut präzise Funktion und Kostenrahmen dokumentieren — bei Betriebsprüfung verlangen Prüfer Nachweise.
- Innerhalb von drei Jahren ab Bildung tatsächlich investieren — Termin im Kalender notieren.
- Im Anschaffungsjahr IAB auflösen, Sonderabschreibung 40 % geltend machen, lineare AfA für Rest planen.
Häufige Fehler und Risiken
Fehler 1: Zu optimistische Investitionsplanung. Wer den IAB für „möglicherweise mal" Anschaffungen nutzt, riskiert Auflösung mit Verzinsung. Faustregel: nur IAB bilden, wenn die Investition zu mindestens 80 % wahrscheinlich ist und ein konkreter Bedarf besteht. Bei Zweifeln: lieber später bilden, wenn der Auftrag oder die Notwendigkeit feststeht.
Fehler 2: Vergessene Verbleibensfrist. Das Wirtschaftsgut muss bis zum Ende des Folgejahres nach Anschaffung im Betrieb bleiben — wer vorzeitig verkauft oder ins Privatvermögen entnimmt, muss IAB und Sonderabschreibung rückwirkend auflösen. Plane Investitionen mit mindestens 2 bis 3 Jahren Haltefrist.
Fehler 3: PKW mit hoher Privatnutzung. Geschäftsfahrzeuge mit über 10 % Privatanteil sind IAB-Tabu. Wer mit dem Geschäftswagen privat zum Sport fährt und 1-%-Regel nutzt, kann den IAB nicht in Anspruch nehmen. Alternative: Fahrtenbuch führen und Privatanteil exakt unter 10 % nachweisen — aufwendig, aber rechtssicher.
Praktisch heißt das
Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG ist eines der wirksamsten Steuerstundungs-Instrumente für KMU mit unter 200.000 Euro Gewinn — er verschafft sofort Liquidität für geplante Anschaffungen und reduziert die Abhängigkeit von Bankkrediten. Bei einer 80.000-Euro-Maschine im Spitzensteuersatz bringt der IAB drei Jahre lang etwa 17.700 Euro liquide Mittel, was bei 5 % Bankzinsen rund 2.500 Euro reale Ersparnis bedeutet.
Nutze den IAB nur für sicher geplante Investitionen — die 6-%-Zinsen bei unterlassener Investition fressen den Vorteil schnell auf. Dokumentiere Funktion und Kostenrahmen jeder geplanten Anschaffung sauber in deiner Buchhaltung, halte die Verbleibens- und Nutzungsfristen ein und kombiniere IAB mit Sonderabschreibung 40 % im Anschaffungsjahr. Bei konkreten Fällen Steuerberater oder Fachanwalt einbeziehen.
Veröffentlicht durch die Cheftipps-Redaktion. Veröffentlicht am 2. Juli 2026.
Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.
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