Kassensysteme TSE-konform: 6 Anbieter für Gastro und Einzelhandel
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Seit dem 1. Januar 2020 müssen elektronische Kassensysteme nach § 146a AO eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) besitzen — wer ohne TSE kassiert, riskiert pro Verstoß bis zu 25.000 Euro Bußgeld plus Hinzuschätzungen durch das Finanzamt. Die Übergangsfrist ist seit 31. März 2021 endgültig abgelaufen, seit 2024 prüft die Finanzverwaltung mit unangemeldeten Kassen-Nachschauen verschärft. Wer als Gastronom, Bäcker oder Einzelhändler noch eine alte offene Ladenkasse oder eine nicht-TSE-Kasse betreibt, sollte spätestens jetzt umrüsten — die TSE-Hardware kostet zwischen 200 und 600 Euro, die monatliche Cloud-TSE-Miete liegt bei 8 bis 25 Euro.
Was TSE rechtlich konkret verlangt
Die TSE ist ein zertifiziertes Sicherheitsmodul, das jede Kassen-Transaktion mit einem Zeitstempel und einer fortlaufenden Signatur versieht. Damit wird jeder Bon manipulationssicher protokolliert — Stornos, Abbrüche und auch Trainingsbuchungen sind nachträglich nicht mehr veränderbar. Das BSI hat insgesamt rund ein Dutzend TSE-Module zertifiziert, die meisten Kassen-Anbieter setzen auf die Module von Swissbit, Diebold Nixdorf, Cryptovision oder Fiskaly Cloud-TSE.
Zusätzlich zur TSE schreibt § 146a AO vor: jede Kasse muss beim Finanzamt nach § 146a Abs. 4 AO angemeldet werden (ELSTER-Formular „Mitteilung über elektronische Aufzeichnungssysteme"), inklusive Seriennummer der TSE. Wer die Anmeldung vergisst, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 379 AO mit bis zu 25.000 Euro Bußgeld pro Kasse.
Die Belegausgabepflicht (§ 146a Abs. 2 AO) verlangt zudem, dass bei jedem Geschäftsvorfall ein Bon ausgedruckt oder elektronisch bereitgestellt wird — auch dann, wenn der Kunde ihn nicht haben will. Eine Befreiung aus Zumutbarkeitsgründen ist möglich, wird aber selten genehmigt.
Sechs TSE-konforme Anbieter im direkten Vergleich
Der Markt für TSE-Kassen ist seit 2020 stark gewachsen — von Cloud-Lösungen für Café-Ketten bis hin zu Hardware-Komplettsystemen für Einzelhandel und Restaurant gibt es heute über 50 zertifizierte Anbieter. Die folgende Auswahl deckt die häufigsten Use-Cases im KMU ab: kleines Café, mittlere Bäckerei mit Filialen, Restaurant mit Tischverwaltung, klassischer Einzelhandel mit Lager.
Wichtig beim Vergleich: nicht nur den monatlichen Listenpreis ansehen, sondern auch Setup-Gebühr, Hardware-Kosten, Transaktionsgebühren bei Kartenzahlung und die Vertragslaufzeit. Manche Anbieter binden für 24 Monate, andere monatlich kündbar.
Die Preise unten sind Nettopreise pro Kasse und Monat (Stand Mai 2026, ohne TSE-Modul falls nicht inkludiert).
| Anbieter | Zielgruppe | Preis/Monat | TSE inklusive |
|---|---|---|---|
| Lightspeed Restaurant | Gastronomie 1-10 Kassen | 69-189 € | Cloud-TSE inklusive |
| orderbird PRO | Café/Bistro/Bar | 49-89 € | Hardware-TSE (Swissbit) |
| SumUp Kasse Pro | Kleine Gastro/Retail | 29-59 € | Cloud-TSE (Fiskaly) |
| Vectron POS | Filial-Gastro | Ab 79 € | Hardware-TSE |
| Tillhub | Einzelhandel/Multi-Channel | 49-149 € | Cloud-TSE inklusive |
| enfore POS | Bäckerei/Metzger/Retail | 59-129 € | Hardware-TSE |
Lightspeed Restaurant und orderbird im Gastro-Detail
Lightspeed Restaurant ist der Marktführer für mittlere bis größere Gastronomie-Betriebe mit Tischverwaltung, Reservierungs-Integration, Lieferdienst-Anbindung (Lieferando, Uber Eats) und Multi-Standort-Reporting. Die Cloud-TSE ist inklusive, die Kasse läuft auf iPad oder Android-Tablet. Setup-Gebühr 199 Euro, Hardware-Bundle ab 599 Euro, monatlich kündbar nach 12 Monaten.
orderbird ist die deutsche Alternative und besonders stark bei Cafés und kleineren Restaurants. Die Hardware-TSE von Swissbit wird einmalig für rund 250 Euro gekauft (kein Abo für die TSE selbst). Reservierungen, Personalverwaltung und Buchhaltungs-Export (DATEV) sind im PRO-Tarif drin. Vertragslaufzeit 24 Monate, danach monatlich.
Beide Anbieter erfüllen die GoBD-Anforderungen vollständig, exportieren die Daten im IDEA-Format für die Betriebsprüfung und unterstützen die Belegausgabe per QR-Code aufs Smartphone des Gastes.
SumUp, Tillhub und enfore für kleinere Budgets
SumUp Kasse Pro ist die günstigste vollwertige TSE-Lösung für Imbisse, Foodtrucks oder kleine Cafés mit unter 100 Bons pro Tag. Die Cloud-TSE ist inklusive, die Kasse läuft auf jedem iPad ab Generation 6. Vorteil: das Kartenlesegerät kostet nur 79 Euro einmalig, Transaktionsgebühr 1,69 Prozent — günstiger als die meisten Konkurrenten.
Tillhub kommt aus Berlin und ist stark im Einzelhandel mit Lager- und Filialverwaltung. Die Cloud-TSE läuft über Fiskaly, die Anbindung an Shopify, Lexoffice und DATEV ist nativ. Für Multi-Standort-Betriebe ab 3 Filialen meist die günstigste Lösung — der Aufpreis pro zusätzlicher Kasse ist gering.
enfore POS adressiert spezifisch Bäckereien, Metzgereien und Eisdielen mit Waagen-Anbindung, Gewichts-Artikeln und Filial-Synchronisation. Hardware-TSE inklusive im Mietmodell, der Bäcker-Tarif kostet ab 59 Euro monatlich plus 199 Euro Hardware-Anteil.
Was Vectron für Filial-Gastronomie liefert
Vectron ist der etablierte Anbieter für mittelständische Restaurant-Ketten und Brauereien mit eigenen Schankanlagen. Die Hardware-TSE läuft direkt am Kassenterminal, Vectron Commander steuert die Filialverwaltung mit zentralem Artikelstamm. Die typischen Anwendungsfälle: 5-50 Kassen über mehrere Standorte mit konsolidiertem Reporting.
Setup und Schulung kosten zwischen 1.500 und 5.000 Euro einmalig — Vectron ist nicht plug-and-play wie die Cloud-Anbieter, sondern wird vom zertifizierten Fachhändler installiert. Dafür ist die Hardware (Vectron POS Touch 12) auf 24/7-Betrieb in Küchen-Umgebungen ausgelegt, mit Schutz gegen Wasser und Hitze.
Für Einzel-Restaurants ist Vectron meist überdimensioniert. Sobald aber 3+ Standorte oder eigene Produktionsküche dazukommen, rechnet sich der höhere Einstiegspreis durch die robuste Hardware und das tiefe Reporting.
Migrations-Checkliste für den TSE-Umstieg
Wer von einer alten Kasse auf ein TSE-konformes System umsteigt, muss ein paar formale Schritte einhalten — die Reihenfolge ist wichtig, damit es keine Lücken in der Aufzeichnung gibt.
Die folgende Liste fasst den typischen Ablauf zusammen, von der Anbieterwahl bis zur Anmeldung beim Finanzamt:
- Aktuelles Kassen-System dokumentieren: Hersteller, Software-Version, Seriennummer, Anschaffungsdatum
- 2-3 Anbieter-Demos buchen, idealerweise vor Ort mit der eigenen Artikel-Liste testen
- Vertrag prüfen: TSE inklusive oder extra, Vertragslaufzeit, Support-Reaktionszeit, Datenexport bei Kündigung
- Schulung der Mitarbeiter mindestens 1 Woche vor Umstellung einplanen (4-8 Stunden)
- Parallel-Betrieb von alter und neuer Kasse vermeiden — saubere Stichtagsumstellung mit Z-Bon
- Innerhalb von 4 Wochen nach Inbetriebnahme: ELSTER-Anmeldung „Mitteilung über elektronische Aufzeichnungssysteme" abgeben
- Alte Kasse archivieren (10 Jahre Aufbewahrungspflicht), nicht entsorgen
Was du jetzt tun solltest: Welche TSE-Kasse für welches Setup
Für die meisten Cafés und kleinen Restaurants mit 1-2 Kassen ist orderbird PRO der pragmatischste Einstieg — deutsche Software, deutscher Support, einmaliger TSE-Kauf statt Abo, DATEV-Export inklusive. Wer noch günstiger anfangen will und unter 100 Bons pro Tag macht: SumUp Kasse Pro für 29 Euro monatlich. Bei mittlerer Gastronomie mit Tischverwaltung, Online-Reservierung und Lieferdienst-Anbindung führt an Lightspeed Restaurant kaum ein Weg vorbei.
Für Bäckereien und Metzgereien mit Gewichts-Artikeln und Filialen ist enfore POS spezialisiert genug, um aufs Wesentliche zu fokussieren. Größere Restaurant-Ketten und Brauereien fahren mit Vectron stabiler, weil die Hardware robust ist und das Filial-Reporting tiefer geht. Im Einzelhandel mit Multi-Channel (Ladengeschäft plus Online-Shop) ist Tillhub die naheliegende Wahl, weil die Shopify- und Lexoffice-Anbindung nativ funktioniert.
Wichtigste Regel: nicht den niedrigsten Listenpreis vergleichen, sondern die Gesamtkosten über 3 Jahre inklusive Hardware, TSE, Setup, Schulung und Support. Bei konkreten Fällen Steuerberater oder Fachanwalt einbeziehen — die Anmeldepflichten nach § 146a AO sind formal heikel und Verstöße werden seit 2024 deutlich strenger geahndet.
Veröffentlicht durch die Cheftipps-Redaktion. Veröffentlicht am 19. August 2026.
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