Bereitschaftsdienst planen: Regeln für Werkstatt und Tankstelle
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Bereitschaftsdienst in Werkstatt oder Tankstelle vergütest du mit 25-40% des regulären Stundenlohns (BAG-Rechtsprechung Az. 5 AZR 263/02), die Höchstdauer liegt bei 16 Stunden ohne Pause und du solltest eine zusammenhängende Ruhezeit von mindestens 11 Stunden nach § 5 ArbZG einhalten. Bereitschaftsdienst zählt als Arbeitszeit im Sinne des ArbZG (EuGH C-303/98 Simap, BAG 12.12.2018), nur Rufbereitschaft mit freier Aufenthaltswahl ist davon ausgenommen — der Unterschied entscheidet über die Vergütung.
Bereitschaftsdienst vs. Rufbereitschaft — der entscheidende Unterschied
Bereitschaftsdienst heißt: Mitarbeiter ist am Arbeitsplatz oder in unmittelbarer Nähe verfügbar (Werkstatt-Aufenthaltsraum, Tankstellen-Kassenbereich, Wohnung neben dem Betrieb). Er darf ruhen, schlafen, fernsehen — muss aber sofort einsatzbereit sein. Diese Zeit ist Arbeitszeit im Sinne des § 2 ArbZG, zählt vollständig auf die 48-Stunden-Wochengrenze und braucht die volle Ruhezeit-Regelung.
Rufbereitschaft heißt: Mitarbeiter ist frei wählbar im Aufenthaltsort, muss aber telefonisch erreichbar sein und bei Anruf innerhalb einer vereinbarten Reaktionszeit (typisch 30-60 Minuten) am Arbeitsplatz erscheinen. Diese Bereitschaftszeit ist keine Arbeitszeit, nur der konkrete Einsatz nach Abruf zählt. Vergütung der Bereitschaftszeit selbst frei verhandelbar — typisch 10-25% des Stundenlohns als Pauschale.
Werkstatt-Notdienste für Pannenhilfe oder Abschleppen sind meist Rufbereitschaft (Mitarbeiter zuhause, kommt bei Anruf raus). Tankstellen-Nachtschichten sind meist Bereitschaftsdienst (Mitarbeiter im Kassenbereich, bedient bei Bedarf). Die Abgrenzung solltest du schriftlich im Vertrag oder in der Schichtanordnung festlegen — sonst gilt im Streitfall die volle Vergütungspflicht.
Vergütungs-Rechnung für Bereitschaftsdienst
Die untere Grenze: Mindestlohn auf jede Bereitschafts-Stunde. Bei einem regulären Stundenlohn von 14 Euro in der Werkstatt bedeutet das: Bereitschaftsstunde muss mit mindestens 12,82 Euro (Mindestlohn 2025) vergütet werden, also etwa 91% des Grundlohns. Die BAG-Rechtsprechung lässt 25-40% als ortsübliche Vergütung gelten, sofern dabei die Mindestlohn-Grenze nicht unterschritten wird.
Praktisch zahlst du also 14 Euro pro Stunde Bereitschaft bei einem 14-Euro-Grundlohn, nicht weniger. Wenn dein Grundlohn höher ist — etwa 22 Euro brutto pro Stunde für einen Kfz-Meister — kannst du die Bereitschaft mit 40-50% vergüten, also 9-11 Euro. Die Differenz zur Vollstunden-Vergütung kompensiert die geringere Beanspruchung während der ruhenden Zeit.
Die Zuschläge nach § 3b EStG kommen oben drauf, wenn die Bereitschaft in Nacht/Sonntag/Feiertag fällt: 25% für Nachtschicht (20-6 Uhr), 50% Sonntag, 125% Feiertag. Bei einer Tankstellen-Nachtschicht von 22 Uhr bis 6 Uhr (8 Stunden) zahlst du also Grundlohn + 25% Nachtschicht — diese Zuschläge sind bis zur 50-Euro-Stundenlohn-Grenze steuerfrei.
| Modell | Vergütung der Bereitschaft | Plus Einsatz-Vergütung | Branche |
|---|---|---|---|
| Bereitschaftsdienst Werkstatt | Min. Mindestlohn (12,82 Euro) | Inklusive bei Aufenthalt vor Ort | Kfz, Schlosser |
| Bereitschaftsdienst Tankstelle | Mindestlohn + 25% Nachtschicht | Inklusive | Service-Pause, Kasse |
| Rufbereitschaft Werkstatt | 15-25% Pauschale | Volle Vergütung ab Abruf | Pannendienst, Abschlepp |
| Rufbereitschaft am Wochenende | 20-30% Pauschale | Plus Sonntags-Zuschlag 50% | Notdienst-Werkstatt |
Höchstdauer und Pausen-Regelung
Eine Bereitschaftsschicht darf maximal 16 Stunden dauern ohne ausreichende Pausen, das ist die EuGH-Rechtsprechung (C-151/02 Jaeger). Konkret: 12 Stunden aktive Tätigkeit plus 4 Stunden Bereitschaftsdienst sind okay, 16 Stunden durchgehend Bereitschaft ohne Schlafmöglichkeit sind nicht okay. Du solltest einen Ruheraum mit Schlafmöglichkeit (Liege, Couch, Notbett) bereitstellen, sonst zählt die ganze Zeit als aktive Arbeit.
Pausen während Bereitschaftsdienst: § 4 ArbZG verlangt nach 6 Stunden mindestens 30 Minuten Pause, nach 9 Stunden mindestens 45 Minuten. Diese Pausen darfst du in den Bereitschaftsdienst integrieren, wenn der Mitarbeiter den Pausen-Status klar kennzeichnen kann (Schild "in Pause"). Bei Tankstellen mit ständigem Kundenkontakt funktioniert das nur mit Doppelbesetzung — bei Werkstatt-Bereitschaft eher problemlos.
Die Ruhezeit nach Schichtende: mindestens 11 Stunden zusammenhängend nach § 5 ArbZG. Bei einer Bereitschaftsschicht von 18 Uhr bis 6 Uhr nächster Tag darf der Mitarbeiter erst um 17 Uhr wieder zur Arbeit. Wer das verkürzt — etwa weil am nächsten Morgen ein Auftrag drängt — verletzt das ArbZG und riskiert Bußgeld bis 15.000 Euro nach § 22 ArbZG.
Wer darf, wer darf nicht Bereitschaft?
Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keinen Bereitschaftsdienst leisten — § 14 JArbSchG verbietet Beschäftigung zwischen 20 und 6 Uhr generell, mit wenigen Ausnahmen für Bäckereien (ab 5 Uhr ab 16). Schwangere und Stillende sind nach § 5 MuSchG von Nachtarbeit ausgeschlossen, was Bereitschaftsdienst zwischen 20 und 6 Uhr ausschließt. Diese Gruppen kannst du nur am Tag oder gar nicht in Bereitschaftsdienste einplanen.
Schwerbehinderte Mitarbeiter haben nach § 207 SGB IX Anspruch auf Befreiung von Mehrarbeit, was nachts und am Wochenende oft greift. Auch ältere Mitarbeitende (ab 60 Jahre) sollten nicht zu häufig in Nachschichten — Studien zeigen erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei chronischer Nachtarbeit. Das ist keine harte Pflicht, aber Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (§ 618 BGB).
Geeignet sind Mitarbeitende zwischen 25 und 55 Jahren ohne chronische Erkrankungen, freiwillig zur Bereitschaftsbeteiligung. Erzwingen darfst du Bereitschaftsdienst nur, wenn er ausdrücklich im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Wer einen reinen Werkstatt-Mechaniker-Vertrag hat ohne Bereitschafts-Klausel, kann die Schicht ablehnen — du brauchst dann seine Zustimmung schriftlich, sonst ist die Zuteilung unwirksam.
Konkrete Schichtmodelle für Werkstatt und Tankstelle
Für eine Werkstatt mit Pannenhilfe-Vertrag (etwa für ADAC, ÖAMTC oder lokale Versicherungen) bietet sich folgendes Modell an: Wochentags Rufbereitschaft 18-8 Uhr (Mitarbeiter zuhause), am Wochenende Rufbereitschaft 24/7 rotierend zwischen 3-4 Personen. Reaktionszeit 45 Minuten, Vergütung 20% des Grundlohns als Pauschale plus volle Vergütung ab Abruf.
Für eine Tankstelle mit Nachtbetrieb (etwa Autobahnnähe, 24/7-Öffnung) bietet sich Bereitschaftsdienst an: Eine Person vor Ort von 22-6 Uhr, Aufenthalt im Kassenbereich, kann ruhen wenn keine Kunden, muss bei Kassengeschäft sofort verfügbar sein. Vergütung Grundlohn 12,82-14 Euro plus 25% Nachtschichtzuschlag. Bei Doppelbesetzung (Sicherheits-Grund) kann eine Person aktiv arbeiten, die andere echte Bereitschaft.
- Werkstatt Werktag-Pannenhilfe: Rufbereitschaft 18-8 Uhr, 4er-Pool, 20% Pauschale + voller Lohn ab Abruf
- Werkstatt Wochenend-Notdienst: Rufbereitschaft 48-72 Std, 25% Pauschale + Sonntagszuschlag bei Einsatz
- Tankstelle 24/7-Nachtschicht: Bereitschaftsdienst Mindestlohn + 25% Zuschlag, Doppelbesetzung erwogen
- Tankstelle Sonntags-Bereitschaft: Reduzierte Besetzung, einzige Kraft mit erhöhter Pauschale + 50% Sonntagszuschlag
- Kombi-Modell: Werkstattchef in Rufbereitschaft, Tankstellenleitung im Bereitschaftsdienst — sauber trennen!
Tools, Verträge und Sicherheits-Disclaimer
Für die Schichtdokumentation reicht jede gängige Personal-Software — Papershift, SchichtHQ, Shyftplan. Wichtig sind die Felder für "Bereitschaftsdienst" und "Rufbereitschaft" als separate Schicht-Typen, sonst rechnest du die Vergütung falsch. Auch handgeführte Aushänge funktionieren bei kleinen Betrieben (3-8 Mitarbeitende), wenn du die Einsatzzeiten zusätzlich digital trackst (etwa als Stunden-Excel).
Im Arbeitsvertrag muss die Bereitschafts-Verpflichtung ausdrücklich stehen: "Der Mitarbeiter verpflichtet sich zur Übernahme von Bereitschaftsdiensten/Rufbereitschaften nach betrieblicher Anordnung, durchschnittlich X-mal pro Monat, mit Vergütung nach betrieblicher Regelung." Ohne diese Klausel ist die Schicht nur mit Zustimmung pro Einzelfall möglich. Vorlagen findest du bei IHK, Handwerkskammer oder Tankstellen-Verband.
Bei konkreten arbeitsrechtlichen Fällen — etwa Lohnklage wegen unzureichend vergüteter Bereitschaft oder ArbZG-Beanstandung durch das Gewerbeaufsichtsamt — beziehst du Steuerberater oder Fachanwalt für Arbeitsrecht ein. Eine Beratungsstunde à 250 Euro spart oft 5-stellige Nachzahlungsbeträge. Konkrete Empfehlungen für Schichtplan-Software in Werkstatt und Tankstelle: Papershift mit Modul für Bereitschaftsdienst-Tracking, SchichtHQ als kostengünstigere Alternative mit klaren Schicht-Typen.
Veröffentlicht durch die Cheftipps-Redaktion. Veröffentlicht am 30. Juli 2026.
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