Schichtplan Apotheke: Notdienst, Stammbesetzung und Springer
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Eine durchschnittliche Apotheke leistet 3-6 Notdienste pro Monat und braucht eine Stammbesetzung von 1 approbierten Apotheker plus 2-3 PTA pro Schicht — das ist die Mindest-Personaldecke nach ApBetrO. Der Notdienst vergütet sich nach Bundes-Apothekerkammer mit aktuell 320 Euro pro 24-Stunden-Dienst plus Zuschläge nach ApoG. Wer den Schichtplan ohne Springer-Pool von 4-6 Personen aufsetzt, kollidiert bei jedem Krankheitsausfall mit der Apothekenbetriebsordnung.
Mindestbesetzung nach Apothekenbetriebsordnung
§ 3 Abs. 5 ApBetrO regelt klar: Die Apotheke darf nur betrieben werden, wenn ein Apotheker oder eine Apothekerin mit deutscher Approbation persönlich anwesend ist. Du kannst PTA und Apothekenhelfer einsetzen, aber sie dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel weder verifizieren noch ausgeben ohne Anwesenheit eines Approbierten. Das ist die harte Grenze für deinen Schichtplan.
In der Praxis heißt das: Jede Öffnungsschicht braucht mindestens 1 Apotheker + 1 PTA. Bei normalem Tagesgeschäft mit 60-100 Kunden setzt du 1 Apotheker + 2-3 PTA + 1 Apothekenhelfer ein. Bei Spitzenzeiten (Wintergrippe-Welle, Allergiesaison) plus 1 zusätzliche PTA und/oder ein Praktikant aus dem Pharmaziestudium für die Rezeptur.
Die Apothekerkammer prüft regelmäßig die personelle Ausstattung — bei Beanstandung droht Bußgeld bis 25.000 Euro nach § 21 ApoG. Es ist also nicht nur eine Empfehlung, sondern eine harte Auflage. Halte den Schichtplan 5 Jahre auf, mit Anwesenheits-Nachweisen pro Schicht, datiert und unterschrieben.
Notdienst-Planung und Vergütung
Der Notdienst wird über die jeweilige Landesapothekerkammer eingeteilt, in der Regel 6-12 Monate im Voraus. Die durchschnittliche Belastung pro Apotheke liegt bei 3-6 Diensten pro Monat, je nach Region und Anzahl der teilnehmenden Apotheken im Notdienstkreis. Großstädte mit dichtem Apothekennetz kommen mit 2-3 Diensten pro Monat aus, ländliche Apotheken im Notdienstkreis mit 4 Apotheken haben 7-8 Dienste pro Monat.
Die Vergütung pro 24-Stunden-Notdienst beträgt seit 2024 320 Euro aus dem Apothekennotdienst-Sicherstellungsfonds (NotSiFonds), finanziert über die Notdienst-Gebühr von 21 Cent je Verschreibung. Diese Pauschale ist steuerpflichtiges Einkommen für den Apotheken-Inhaber, deckt aber nicht die Personalkosten — sie ist eine Aufwandsentschädigung, kein echter Ersatz.
Für die Notdienstschicht selbst zahlst du dem diensthabenden Apotheker oder PTA die Zuschläge nach § 3b EStG: 50% für Sonntagsarbeit, 125% für Nachtschicht zwischen 20 und 6 Uhr, 150% für gesetzliche Feiertage. Diese Zuschläge sind steuerfrei bis zur 50-Euro-Stundenlohn-Grenze. Bei einer 24-Stunden-Schicht summieren sich diese Zuschläge auf 300-500 Euro brutto — die 320 Euro aus dem NotSiFonds reichen also gerade so.
| Schicht | Besetzung | Zeit | Zuschlag |
|---|---|---|---|
| Frühschicht Mo-Fr | 1 Apotheker + 2 PTA | 8-14 Uhr | Keiner |
| Spätschicht Mo-Fr | 1 Apotheker + 2 PTA | 14-19 Uhr | Keiner |
| Samstag | 1 Apotheker + 1 PTA | 9-13 Uhr | Keiner regulär |
| Notdienst Werktag | 1 Apotheker (PTA optional) | 19-8 Uhr nächster Tag | 125% (Nacht) |
| Notdienst Sonntag/Feiertag | 1 Apotheker | 24h durchgehend | 150% Feiertag, 50% Sonntag |
Stammbesetzung: Wer ist Kern, wer ist Springer?
Deine Stammbesetzung sollte aus mindestens 2-3 Apothekern bestehen — du selbst, einer in Vollzeit, ein dritter in 50-70% Teilzeit als Vertretung. Dazu 4-6 PTA in unterschiedlichen Vertragsmodellen (Vollzeit, Teilzeit, Minijob für Samstage). Das ist die Untergrenze für eine Apotheke mit 60-100 Kunden täglich und einem Notdienstkreis mit 5-6 Diensten monatlich.
Bei einer Apotheke mit weniger als 3 Apothekern bist du strukturell auf den Inhaber-Apotheker angewiesen — bei Urlaub oder Krankheit solltest du schließen oder einen Vertretungs-Apotheker buchen (über die Kammer-Vermittlung oder Plattformen wie ApothekenStellen). Vertretungs-Apotheker kosten 35-45 Euro brutto pro Stunde plus Anfahrt — bei einer Vollzeit-Wochenvertretung 1.500-2.000 Euro.
Die PTA-Stammbesetzung balancierst du nach Schichtaffinität: Wer macht gern Frühschicht, wer Spätschicht, wer auch Samstag? Eine 7-Tage-Apotheke (mit Sonntags-Notdiensten) braucht mindestens 5 PTA, sonst kommt jede einzelne Person mindestens einmal monatlich an die Wochenend-Belastungsgrenze. Plane dafür einen Lohnaufschlag von 5-10% gegenüber dem Bundesdurchschnitt — sonst wandert die Kollegin in die Krankenhausapotheke ab.
Der Springer-Pool: 4-6 Personen für Notfälle
Selbst die beste Stammbesetzung fällt aus — Grippewelle, Mutterschutz, kurzfristiger Familien-Notfall. Du brauchst einen Springer-Pool von 4-6 Personen: 1-2 freiberuflich tätige Apotheker mit Vertretungslizenz, 2-3 PTA aus dem Ruhestand oder in Elternzeit-Pause, 1-2 PKA (Apothekenkaufleute) auf Minijob-Basis für Kassen- und Lagerarbeit ohne Beratungstätigkeit.
Den Pool baust du langfristig auf: Ehemalige Mitarbeitende, die in Elternzeit gegangen sind, frag aktiv ob sie 1-2 Tage pro Monat aushelfen wollen. Apotheker im Vorruhestand suchen oft genau diese Beschäftigung — 4-8 Stunden pro Woche, flexibel einteilbar, gegen Honorar als Freiberufler oder Minijob. Auch frisch examinierte PTA aus der lokalen Berufsschule sind interessant für Wochenend-Schichten neben dem Berufseinstieg.
Den Springer-Pool aktivierst du über eine WhatsApp-Gruppe oder per direktem Anruf — keine Mail, die übersehen wird. Reaktionszeit: 4-12 Stunden ab Anfrage bis verbindliche Zusage. Das schreibst du beim Pool-Aufbau in die Vereinbarung. Wer nicht reagiert oder absagt, fliegt nach 3-mal hintereinander aus dem Pool. Klare Regeln, klare Bezahlung.
Tools für Apothekenschichtpläne
Standard-Schichtplan-Software wie Papershift oder SchichtHQ funktioniert grundsätzlich auch für Apotheken, ist aber nicht auf apothekenrechtliche Besonderheiten zugeschnitten (Notdienst-Tracking, Apotheker-Anwesenheits-Nachweis). Spezialisiert sind Pharmatechnik IXOS (Warenwirtschaft mit Modul Personalplanung), Awinta Prokas (Personalmodul integriert) und ADG Apotheken-Software.
Diese Apotheken-spezifischen Lösungen tracken automatisch die Notdienst-Häufigkeit, dokumentieren die Apotheker-Anwesenheit nach § 3 ApBetrO und erstellen die Nachweise für die Apothekerkammer. Kosten je nach Größe 80-200 Euro pro Monat zusätzlich zum Hauptsystem. Für 5-15 Mitarbeitende lohnt sich das ab einer Notdienst-Häufigkeit von mehr als 3 Diensten pro Monat.
Excel reicht für sehr kleine Apotheken (3-5 Personen, keine Notdienste oder maximal 2 monatlich). Ab dann wird die manuelle Pflege zu fehleranfällig — vergessene Zuschläge, falsche Notdienst-Vergütung, Apotheker-Anwesenheits-Lücken werden bei der Kammer-Prüfung teuer.
- Pharmatechnik IXOS — vollintegriert mit Warenwirtschaft, ideal ab 8 Mitarbeitenden
- Awinta Prokas — Personalmodul mit Notdienst-Tracking, gute Alternative
- ADG Personalverwaltung — schlanker, für Apotheken bis 6 Mitarbeitende
- Papershift — generisch aber günstig (4,50 Euro/Mitarbeiter), ohne Apothekenrecht-Module
- Excel + handgepflegter Aushang — nur für Kleinstapotheken unter 5 Personen
Notdienst absagen oder tauschen — was geht?
Krankheit ist der einzige unstrittige Grund, einen geplanten Notdienst abzusagen. Du meldest dich bei der Apothekerkammer (Notruf-Nummer für jeden Kammerbezirk), die organisiert dann den Ersatz aus dem Apothekennotdienst-Sicherstellungsfonds heraus. Die Vergütung von 320 Euro geht in dem Fall an die einspringende Apotheke, du selbst bekommst nichts — und musst bei Krankheits-Häufung mit Rückfragen rechnen.
Geplante Tausche zwischen befreundeten Apotheken sind nur mit Kammer-Genehmigung möglich (§ 14 Berufsordnung der meisten Kammern). Antrag schriftlich, mindestens 14 Tage vor dem Dienst, mit Begründung. Wer ohne Antrag tauscht, riskiert Berufsgerichtsverfahren — die Kammer prüft das mit Hilfe der Patientenanfragen aus dem Notdienstkreis-Tracking.
Bei konkreten arbeitsrechtlichen Fällen — etwa wenn eine PTA die Notdienst-Bereitschaft generell verweigert obwohl im Vertrag vorgesehen — beziehst du Steuerberater oder Fachanwalt für Arbeitsrecht ein. Konkrete Empfehlungen für Apothekenschichten: Pharmatechnik IXOS bei vollintegrierter Planung, Awinta Prokas als kosteneffiziente Alternative mit Notdienst-Modul.
Veröffentlicht durch die Cheftipps-Redaktion. Veröffentlicht am 5. August 2026.
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